In Trainingsprozessen sprechen wir nicht nur über Übungen, sondern auch gewinnbringende Strukturen und eine solide Organisation. Die Frage richtet sich danach, welche Inhalte, wann, wie, warum und womit umgesetzt werden. Die Bandbreite dabei ist enorm groß und es zeigt sich bei professioneller Betrachtung, dass das menschliche System nicht von Einzel-, sondern aus der Verknüpfung vieler Fähigkeiten funktioniert. So ein Entwicklungsprozess kann sich schon gut in die Länge ziehen. So wird nicht selten eine ganze Saison, bzw. mehrere Monate geplant. Um am Ende das zu bekommen, was gewünscht ist, ist das Gesamtpaket wichtig. Dabei hat die Trainingslehre ein paar relevante Felder: Kraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit, Ausdauer und Koordination. Je nach Ziel sind hierbei Schwerpunkte im Prozess zu setzen. Dabei gilt ein goldener Leitsatz: „What you train is what you get!“ – Das, was du trainierst, bekommst du auch.

Wenn du für einen Marathon trainierst, sollte der Schwerpunkt nicht auf Schnelligkeit gelegt werden. Soweit ist es relativ einfach, einzelne Felder unserer sog. Konditionellen Fähigkeiten inhaltlich abzugrenzen. Die Crux an der Sache ist jedoch, dass jedes sportliche Profil stets ein Mix aus den allen genannten Feldern ist. Wie das folgende Bild zeigt, ist in jeder Sportart alle Fähigkeiten enthalten. Dabei unterscheiden sie sich jedoch im prozentualen Fokus:

 

FACE YOUR STRUGGLE

Als Coach und Trainer begegne ich vielen aktiven Menschen mit großen und ambitionierten Zielen. Nicht selten stehen diese bereits in Prozessen, die z.T. intensiv und straff organisiert sind. Das Pensum ist oftmals hoch. Und doch stellt sich oft eine Stagnation, ein Leistungsrückschritt oder eine unvorhergesehene Verletzung ein. Es gibt hierzu eine Vielzahl an Beispielen. Ein 39 jähriger bergaffiner Hobbysportler ist mir doch gut in Erinnerung geblieben. Er war straff organisiert, was typisch für Ausdauersportler ist. Er hatte sein Training professionell dokumentiert und hatte einen soliden Plan im pulsgesteuerten Training. Er hatte zum „Metermachen“ auch ein Krafttraining für die unteren Extremitäten gekoppelt. So konnte er es sich nicht erklären, dass er immer wieder mit Achillessehnenproblemen geplagt sein Training unterbrechen musste. Mit diesem Problem stand er bei mir im Trainingsraum.

Wir starteten mit einer Funktionsanalyse verschiedener Bewegungen, um einen Ist-Zustand des Systems zu bekommen. Dabei wurde rasch klar, dass selbst bei einfachen Bewegungsmustern die muskuläre Organisation verschiedener Muskeln unstimmig und von Kompensation geprägt waren. Die vorhandene Kraft hat dies im Umsetzen im Groben gut versteckt, aber im Detail waren bei jedem Schritt entsprechende Querkräfte im Sprunggelenk erkennbar. Der Bereich „Koordination“ war im selbstorganisierten Trainingsprozess nicht abgedeckt worden. „Das fällt mir einfach schwer und weil es mir nicht so viel Spaß mache, kann ich die Motivation nicht konstant hoch halten!“ – waren seine ehrliche Reflexion. Einsicht ist der erste Schritt zur Verbesserung. Aber selbst, wenn ein Lauf-ABC nicht sexy ist, hat es wichtige Inhalte, die für das große Ganze zielführend sind.

Point of return:

Nach der Funktionsanalyse war die Lösung klar vor uns. Die muskulären Abstimmungsschwierigkeiten waren ein Schlüssel, den zu nutzen vielversprechend war. Gemeinsam stellten wir das Training um, verschafften Inhalte für alle Fähigkeiten und einigten uns auf einen roten Faden, dem wir Vertrauen schenkten. Es war für den Kunden ungewohnt, die vorher so wichtigen Felder zu reduzieren und den vernachlässigten auf anfänglich einfacher Stufe zu integrieren. „Das fühlt sich wie Rückschritt an“ – „Ja, dann hättest du es von Beginn an integrieren und mit entwickeln sollen!“ Entwicklung kann nur funktionieren, wenn man mit sich und dem Thema ehrlich ist.

Die neuen Prozesse verliefen gut und nach ein paar weiteren Anpassungen waren wir auf Kurs. Auch wenn anfänglich die Umsetzung etwas schleppend verlief, waren nach ein paar Einheiten ein Rhythmus gefunden und die Inhalte fügten sich in aller Breite flüssig zusammen. Die kommenden Wochen waren entscheidend, aber das Lauftraining konnte mit stabilen Abläufen aufrechtgehalten werden.

Der Erfolg war aber nicht nur das gelöste Problem der Achillessehne, sondern auch die Einsicht, dass relevante Felder auszugrenzen, weil sie einem persönlich nicht liegen oder die Suche nach der Motivation sich schwer darstellt, keine professionelle Herangehensweise ist. Ergo: Erfolg auf der ganzen Linie.

Konsequenzen:

Entwicklung ist oftmals Entertainment – aber nicht immer. Funktion und „Funktionieren“ braucht stets die volle Bandbreite. Machst du das, was du bereits kannst oder dir liegt, wirst du nie ankommen. FACE YOUR STRUGGLE unterscheiden den Hobby- vom Profisportler. Diese stellen sich ihren persönlichen Kämpfen und gehen auch dorthin, wo es ungemütlich wird. Es ist hart, aber zielführend. Der Schalter für diese Bereiche liegt im Kopf und ist genau so entscheidend wie ein Muskel, die Lungenkapazität oder ähnliches. Diesen zu finden und zu aktivieren ist zentraler Bestandteil von ATHLEADERSHIP. Seit jeher ist FACE YOUR STRUGGLE zentraler Bestandteil von HUMAN PERFORMANCE OPTIMIZATION.